Wirtschaftsgymnasium
Berufskolleg
Berufsfachschule
Berufsschule

Kurze Chronik der Carl-Theodor-Schule

Die Gewerbeordnung von 1900, gültig für das ganze Deutsche Reich, ermöglichte es u.a. den Gemeinden, Fachschulen für die verschiedensten Berufe, ebenso Landwirtschafts- und Handelsschulen zu errichten. So erließ der Schwetzinger Gemeinderat am 16. März 1906 ein „Ortsstatut für den kaufmännischen Fortbildungsunterricht". Angegliedert an die seit 1846 bestehende Gewerbeschule, die ihren Sitz im Nordflügel des Schwetzinger Schlosses hatte, gab es nun auch für die ortsansässigen kaufmännischen Gesellen, Gehilfen und Lehrlinge einen planmäßigen, kostenpflichtigen Pflichtschulbesuch. Sechs Wochenstunden - mit Ausnahme von Bürgerkunde - fachlicher Unterricht wurde von beamteten Lehrkräften erteilt. Drei Jahre später waren es bereits zehn bis zwölf Stunden Unterricht.

Im Schuljahr 1921/22 erfolgte die fachliche und sachliche Trennung der Handelsschule von der Gewerbeschule. Es galt, spezifischer auf die kaufmännischen Inhalte einzugehen. Auf der einen Seite blieb die eher technische Ausrichtung der Gewerbeschulen, auf der anderen entwickelte sich der „wirtschafts-, rechts- und sprachwissenschaftliche" Charakter der Handelsschulen. Nun gingen neue Bereiche in den Fächerkanon der Schule ein: Religion, Deutsch und Staatskunde betonten auch den  allgemeinbildenden Charakter, ganz im Sinne der Forderungen des „Gründers der Berufsschulen" G.Kerschensteiner.

Die Jahre der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft brachten auch für die Schulen einschneidende Änderungen. An die Stelle der kollegialen Verwaltung trat das „Führerprinzip". Lehrer wurden zu Wehrübungen und politischen Schulungen herangezogen, Schülern die Zugehörigkeit zu den nationalsozialistischen Jugendorganisationen im Zeugnis vermerkt. 1936 wurde durch die Gründung des Handelsschulverbandes Schwetzingen das Einzugsgebiet der Schule erheblich erweitert. Die umliegenden Gemeinden bis hin nach Waghäusel schickten ihre Lehrlinge nun in die Spargelstadt. So schnellte die Schülerzahl von 25 auf 220. Gestiegene Ansprüche der Wirtschaft führten 1937 zur Einrichtung der „Höheren Handelsschule“ (heute Wirtschaftsschule), einer Vollzeitschule, die die bisherige kaufmännische Berufsschule in Teilzeit ergänzte. Der dort erzielte Abschluss entsprach der „Mittleren Reife" und berechtigte zum Besuch der „Wirtschaftsoberschule“ (heute Wirtschaftsgymnasium). 1940 zwangen die gestiegenen Kosten des kaufmännischen Schulwesens in Schwetzingen, die Lasten besser zu verteilen. Da immer mehr auswärtige Schüler nach Schwetzingen strömten, übernahm nun das Landratsamt Mannheim die neue „Kreishandelsschule“. Der Zweite Weltkrieg brachte 1944 die Auflösung der Handelslehranstalt. Vorrübergehend wurden die Räumlichkeiten von politischen Verbänden, deutschen Truppen und schließlich amerikanischen Besatzungstruppen genutzt.

Erst 1946 konnte die Schule wieder eröffnet werden, allerdings erwiesen sich die bisherigen Räume des Schlosses als ungeeignet für Schüler und Lehrer, zu klein und gar gesundheitsgefährdend, da schlecht heizbar und feucht. „Schwetzingen hat heute die schönste und modernste Schule der Deutschen Bundesrepublik", ließ die Schwetzinger Zeitung am 18. Mai 1952 verlauten, als die Handels-, die Gewerbe- und die Hauswirtschaftsschule in die neuen Räumlichkeiten am heutigen Standort einziehen konnten. Der „Schulpalast für das Volk" wurde damals als architektonische Meisterleistung gewürdigt.

1968 hielt mit dem sechsjährigen Wirtschaftsgymnasium eine neue Schulform Einzug, 1976 das Berufskolleg I, 1979 das dreijährige Wirtschaftsgymnasium, 1980 das Berufskolleg zur Erlangung der Fachhochschulreife, 1990 das Berufskolleg II. Für vier kurze Jahre (1997-2001) führten wir das Berufskolleg Fremdsprachen. Auch Telekollegschule war die Handelsschule. Neueste Schulformen sind das Berufskolleg zur Erlangung der Fachhochschulreife in Teilzeitform (ab Schuljahr 2009/2010) in enger Kooperation mit der Ehrhart-Schott-Schule und das dreijährige Wirtschaftsgymnasium Profil internationale Wirtschaft (ab Schuljahr 2011/2012). So ist es nicht verwunderlich, dass die Lehrerzahl ständig wächst: Von 18 Kollegen 1964 stieg die Zahl auf über hundert Lehrerinnen und Lehrer heute. Die neuen Schularten und wachsenden Schülerzahlen führten zu großer Raumnot trotz des Auszugs der Hauswirtschaftlichen Schule nach Hockenheim. So mussten in benachbarten Schulen Räume angemietet werden; den Erfordernissen nach einem Erweiterungsbau wurde schließlich 1975 Rechnung getragen. Der Name des stark mit Schwetzingen verbundenen Kurfürsten Carl-Theodor ersetzte 1977 den schmucklosen Namen „Handelslehranstalt". Bis zu Beginn des neuen Jahrtausends war die Carl-Theodor-Schule eher von einer ruhigen Kontinuität geprägt. Veränderungen zeitigten insbesondere neue Unterrichtsformen, diverse Schulversuche und der verstärkte Einsatz der EDV, nun auch als eigenständiges Unterrichtsfach. 2002 eröffnete dann die „Point Of Living GmbH“, die erste Übungsfirma der CTS, im Rahmen des BK I die Pforten. Während hier die Schülerinnen und Schüler sehr wirklichkeitsnah (nur Kauf und Verkauf sind fiktiv) agieren, bietet die neuerdings tätige Juniorenfirma die Möglichkeit, alle Facetten des kaufmännischen Lebens kennen zu lernen. Unter Anleitung werden die "JuFis" z.B. als Cateringservice bei schulischen Veranstaltungen aktiv. 

Veränderungen im Wirtschaftsleben sowie die fortschreitende Globalisierung erfordern auch Reaktionen des Bildungssystems. Im Bereich der Berufsschule entstehen neue Ausbildungsberufe und damit einhergehend neue Lernformen. Seit 2007 werden in Schwetzingen auch die Kaufleute und Servicefachkräfte für Dialogmarketing unterrichtet; das lernfeldorientierte Unterrichten ergänzt den klassischen Unterricht in Fächern.

Sehnsüchtig erwartet wurden der Abriss der alten Kreissporthalle und der Bau der neuen - 2004 konnte die neue Sporthalle endlich eingeweiht werden.

Die hohen Schülerzahlen und die veränderten Anforderungen an den Unterricht führten erneut an die Grenze der räumlichen Kapazitäten. Der erste Bauabschnitt des Neubaus an der Erhart-Schott-Schule war war bereits im Jahr 2007 bezugsfertig, die letzten Baumaßnahmen wurden im August 2009 durchgeführt. Durch die frei werdenden Räumlichkeiten der Ehrhart-Schott-Schule im Altbau konnten so neue und modern ausgestattete Räumlichkeiten für die Carl-Theodor-Schule geschaffen werden. Neben mehreren klassichen Unterrichtsräumen konnten so auch neue naturwissenschaftliche Fachräume, zwei Computerräume, ein innovativ eingerichteter Raum für den Einzelhandel, Schüleraufenthaltsräume, ein Raum für die Streitschlichter und Lehrerarbeitsräume geschaffen werden.