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Wenn Selbsteinschätzung und Fremdwirkung aufeinanderprallen

Schüler der Carl-Theodor-Schule absolvieren Bewerbertraining

Mit zittrigen Knien und mulmigem Gefühl in der Magengegend näherten sich am vergangenen Donnerstag einige Schüler der Carl-Theodor-Schule in Schwetzingen ihren sonst so vertrauten Unterrichtsräumen. Zu bewältigen war keine Klassenarbeit. Vielmehr ging es um eine Aufgabe mit wesentlich mehr Lebensnähe:  Es galt ein Bewerbungsgespräch zu bestehen.

Bewerbertraining in der BFW

Bewerbertraining in der Klasse BFW2/1

Die Schüler im zweiten Schuljahr der Berufsfachschule für Wirtschaft hatten im Vorfeld der Gespräche auch Bewerbungen geschrieben. Herr Zeilfelder, Filialleiter der Barmer GEK Link öffnet in einem neuen Fenster oder Tab in Schwetzingen, wollte damit möglichst realistische Bedingungen schaffen, um den Schülern anschließend auch wirklich hilfreiche Hinweise für eine echte Bewerbung aus Expertensicht geben zu können.

Die Berufsfachschule für Wirtschaft ist eine Schulart, die es Schülern mit Hauptschulabschluss ermöglicht, die Fachschulreife zu erwerben. Aufgrund der hier erworbenen berufsfachlichen Kompetenz verbessern die Schüler nicht zuletzt auch ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Friedemann Holzapfel, der die Schüler im Fach Betriebswirtschaftslehre unterrichtet und die Expertenberatung federführend organisiert hatte, erklärt, dass der Schule dies allein als Berufsvorbereitung jedoch noch nicht genug sei. So habe man eine Praktikumsklasse gebildet, deren Schüler begleitend zum Schulbesuch ein Praktikum absolvierten, innerhalb dessen sie einen Tag der Schulwoche im Betrieb verbringen. „Als Berufliche Schule haben wir den Vorteil in engerem Kontakt zu Unternehmen der Region zu stehen. Diesen wollen wir nutzen, um unseren Schülern zu besseren Berufschancen zu verhelfen.“, erklärt er das Anliegen der Schule. Nachdrücklich weist er hierbei auch auf die Notwendigkeit der Bewerbungstrainings hin: „Viele unserer Schüler haben Qualitäten, die in der Wirtschaft gefragt sind. Oft scheitern sie aber dennoch in Bewerbungsgesprächen, weil sie diese Qualitäten einfach  nicht richtig verkaufen“.

Wenn Selbsteinschätzung und Fremdwirkung offen aufeinandertreffen, läuft dies natürlich auch nicht immer seelenstreichelnd ab: „Man wurde ganz schön auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.“, berichtet der Schüler Ali Gül. Dennoch zeigen die Rückmeldungen, dass die Schüler das Engagement von Schule und in diesem Fall der Barmer GEK durchaus zu schätzen wissen. „Das war echt super, denn ich hatte noch nie ein Bewerbungsgespräch. Es ist gut zu wissen, wie das abläuft.“, so die Aussage von Schüler Yannik Roth.  Stammt das Feedback von einem Experten aus der Praxis scheinen die Jugendlichen auch Kritisches offensichtlich leichter akzeptieren zu können, als wenn dies von Lehrer- oder Elternseite an sie herangetragen wird.

Um dieses Feedback nun zu verdauen, an eigenen Schwächen zu arbeiten und Berufswünsche gegebenenfalls auch an eigene Qualifikationen anzupassen, haben die Schüler der Klasse „BFW2/1“ an der Carl-Theodor-Schule nun bis Februar Zeit. Bis dahin muss nämlich jeder ein Praktikum in der Region gefunden haben. Mit der Unterstützung der Lehrer, so sind sich die Schüler sicher, werden sie auch diese Herausforderung meistern.