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Abschied als Neuanfang

Kollegium der Carl-Theodor-Schule nimmt Abschied von geschätzten Kollegen

Scheiden tut weh – nicht nur dem Scheidenden, sondern auch denen, die zurückbleiben. Klar zu sehen war dies vergangenen Mittwoch an der Carl-Theodor-Schule (CTS) in Schwetzingen. Schulleitung und Kollegium nahmen an diesem Tag Abschied von drei geschätzten Lehrern. Die Verabschiedung von Dieter Vierling, Maria Jellinghaus und Gerhard Rummel in der Aula hatte nicht zuletzt aufgrund der musikalischen Untermalung durch Chris Spital am Flügel einen feierlichen Rahmen. Zahlreiche Beiträge des Kollegiums gaben den Feierlichkeiten außerdem eine sehr herzliche Note.

Verabschiedung

Verabschiedung von Gerhard Rummel, Dieter Vierling und Maria Jellinghaus (Mitte von rechts nach links)

Dieter Vierling, der seit 1977 an der CTS unterrichtet hatte und seitdem an jedem Abitur beteiligt war, wurde insbesondere für die Zeiten seiner Leitung der Fachschaft Sport geehrt. Wie er selbst beschreibt, habe die Fachschaft nach den langen problematischen Jahren ohne eigene Sporthalle ein ganz besonderer Geist zusammengeschweißt, dessen Fortbestand er seinen Kollegen auch weiterhin wünsche. In zahlreichen Reden wurde das Wort „unfassbar“ als für ihn typisch aufgegriffen. Ebenso typisch für ihn sei auch, dass er sich ausdrücklich eine kurze Verabschiedung gewünscht habe. So schließt er seine eigene Rede dann auch kurz und bündig mit den Worten: „Time’s up“, die er geleichbedeutend mit der deutschen Redewendung „Die Zeit ist um“ so oft bei Klassenarbeiten in seiner Zeit als Englischlehrer gesprochen habe. Er betont in diesem Zusammenhang, dass er sich auf den Aufbruch zu Neuem freue und berichtet, dass er die Freistellungsphase vor dem eigentlichen Ruhestand nun mit Golfen, Mountainbiken und Reisen füllen wolle.

Maria Jellinghaus, die ebenfalls im Jahre 1977 an die CTS gekommen war, wird von Schulleiterin Renate Mayer als Frau der Tat beschrieben, die, wann immer sie einen Verbesserungsbedarf gesehen habe, aktiv geworden sein. Neben der fünfjährigen Tätigkeit als Verbindungslehrerin und der Mitarbeit in Schulentwicklungsprojekten erwähnt sie lobend auch deren intensive Unterrichtsvorbereitung, die stets auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten gewesen sei. Frühzeitig habe sie die Bedeutung kreativer und handlungsorientierter Arbeitsmethoden erkannt, sich dahingehend fortgebildet und den Schüler in den Mittelpunkt ihres pädagogischen Handelns gestellt. In ihren letzten Dienstjahren habe sie sich ganz auf das Fach Deutsch konzentriert. Zahlreiche Theaterbesuche würden ihren Schülern sicher noch viele Jahre in Erinnerung bleiben. Ihrer Liebe zu Theater und Literatur verschafft sie selbst am Tag ihres Abschieds nochmals mit der Forderung Nachdruck, ein größeres Angebot an Bildung im Bereich Kunst, Musik und Literatur zu schaffen. „Das Kollegium ist über die Jahre mehr und mehr zu einem Team geworden“, freut sie sich. Für die Zukunft fordert sie eine konsequente Verfolgung des Paradigmenwechsels vom Prinzip der Auslese zu dem der Förderung und stellt ans Ende ihrer Rede so auch den Wunsch nach kleinen Klassen und individuellem Coaching der Schüler.

Gerhard Rummel, der bereits 1973 an die CTS gekommen war, rechnet den Gästen vor, dass er in seinen 37 Jahren an der Schule mehr als 4000 Schüler unterrichtet und ca. 38.000 Unterrichtsstunden gehalten habe. Während all dieser Zeit habe er sich insgesamt sehr wohl an der Schule gefühlt. Renate Mayer beschreibt seine Leistungsbilanz als beeindruckend: 10 Jahre Verbindungslehrertätigkeit, Fachschaftsleitung der Volkswirtschaftslehre, Lehrmittelverwaltung und Mitarbeit in verschiedenen Lehrplankommissionen seien da nur einige der nennenswerten Leistungen. Unermüdlich habe er sich bis zum Schluss für die Belange der Schule und des Kollegiums eingesetzt.

Selbst nach seiner Beförderung zum Studiendirektor im Jahr 1990 sei er stets bescheiden und zurückhaltend geblieben. Die Beförderung hatte er neben seiner pädagogischen Qualifikation auch seinem unermüdlichen Einsatz für die Deutsch-Französische Schulpartnerschaft zu verdanken. Im Jahre 1978 hatte er diese Partnerschaft zum Lycée Professionnel Regional Emile Gallé in Thaon-Les-Vosges aufgetan und so einen regen Austausch ins Leben gerufen. Nicht zuletzt anhand der Anreise der französischen Lehrerin Marie-Claire Creussillet aus Thaon konnte man erkennen, dass aus anfänglichen Bekanntschaften zwischen Lehrern der beiden Schulen in der mehr als dreißigjährigen Partnerschaft echte Freundschaften geworden sind. Ausdrücklich wünscht er sich in seiner Festrede, dass sich junge Lehrer weiterhin für den Fortbestand der Partnerschaft einsetzen.  Auch im betriebswirtschaftlichen Bereich hatte er bereits 1989 eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Astra-Zeneca angeregt. So habe das Unternehmen Management-Vorträge an der CTS gehalten, Praktika für Schüler und Referendare organisiert, Bewerbertrainings durchgeführt und an der Gestaltung der Ausbildung für Industriekaufleute mitgewirkt. Auch nach der Auflösung der Partnerschaft nach der Standortauflösung des Unternehmens in Plankstadt hatte sich Rummel noch für die Berufsorientierung der Schüler eingesetzt und das Projekt BOGY (Berufsorientierung an Gymnasien) mit Leben gefüllt. Seit 2003 werden Zehntklässlern am sechsjährigen Wirtschaftsgymnasium hierdurch erste Berufseinblicke im Rahmen eines Betriebspraktikums ermöglicht.

Uwe Bäuerle, der als Schulreferent vom Regierungspräsidium Karlsruhe angereist war, ergriff bei den Festreden ebenfalls das Wort. Für die langjährige Tätigkeit als Fachberater für Betriebswirtschaftslehre und Französisch mit dem Schwerpunkt Sechsjähriges Wirtschaftsgymnasium bedankte er sich im Namen des Regierungspräsidiums bei dem wohlgeschätzten Lehrer, der in dieser Tätigkeit auch Lehrerfortbildungen durchgeführt und den Vorsitz zahlreicher Privatschulen übernommen habe.  Zur Überraschung aller hatte Bäuerle auch eine Ernennungsurkunde im Gepäck. Mit den Worten: „Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam aber plötzlich“ überreichte er Ingo Hartmann, der bereits zwei Jahre zuvor in das Amt des  stellvertretenden Schulleiters  bestellt worden war, die Urkunde zur Beförderung zum Studiendirektor. Aufgrund der frühzeitigen Freistellung seines Vorgängers sei eine Ernennung bis zum Zeitpunkt dessen regulärer Pensionierung leider nicht früher möglich gewesen. 

Mit einem selbst getexteten Abschiedslied und unter lang anhaltendem Beifall wurde Rummel vom Kollegium geehrt. Sichtlich Ergriffen beendete dieser seine Rede mit einem Zitat aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse und damit einem indirekten Aufruf, das Scheiden nicht nur als schmerzhaften Abschied zu empfinden: “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“