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Aktuelles - Erlebte Geschichte

Ein Opfer des Unrechtsstaates DDR berichtet an der Carl-Theodor-Schule.

Es war eine Geschichtestunde der besonderen Art. Nicht Quellen wie Texte und Karikaturen wurden zum Sprechen gebracht, sondern die Geschichte trat den Schülern des Wirtschaftsgymnasiums als Person, als Mitmensch gegenüber.

Klaus-Peter Sonnenburg weiß, welchen Wert persönliche Freiheit hat. Denn ihm wurde sie jahrelang genommen, er zu einen Stück Fleisch degradiert, wie er es selbst ausdrückt.

In solchen fensterlosen LKWs wurden die Häftlinge stundenlang umhergefahren, um ihnen die Orientierung zu rauben In solchen fensterlosen LKWs wurden die Häftlinge stundenlang umhergefahren, um ihnen die Orientierung zu rauben.

Nach einer kurzen Vorstellung zeigte Herr Sonnenburg zunächst einen Film über die Geschichte des Gefängnisses des „Ministeriums für Staatssicherheit“ in Berlin Hohenschönhausen und über das dort durchlebte Leid. Dann erzählte er mit ruhiger Stimme seine Geschichte.

Bereits als Jugendlicher war er dem System nicht angepasst genug, verweigerte gar die Mitgliedschaft in der SED. Trotz eines sehr guten Abiturs wurde ihm daher der Studienplatz verweigert. Der damals achtzehnjährige Sonnenburg sah für sich daher keine Zukunft in der DDR und entschloss sich 1973 zur Flucht über die Tschechoslowakei. Tagelang harrte er im Winter im Freien an der Grenze aus, niemand hatte er von seinem Vorhaben erzählt, zum Schutz seiner Familie. Doch sein Fluchtversuch misslang. Am letzten Zaun schossen ihm Scharfschützen ins Knie. Zu der Knieverletzung kamen Verletzungen durch schwere Prügel. Nach langen Fahrten, die er in einer fensterlosen Zelle eines LKW ertragen musste, landete er schließlich in Hohenschönhausen.

Bei den folgenden Erzählungen wurde Herr Sonnenburg leiser. Eindrücklich schilderte er tagelange Dauerverhöre, Dunkelhaft, Erniedrigung, Folter und quälendes Ausgeliefertsein. Als er 110 Tage  einsam bei Kälte, Schnee und Regen in einer Freiluft-Innenhofzelle aushalten muss, trachtet er sich gar nach dem Leben. Die Einsamkeit gehörte mit zum grausamen Haftalltag. Die einzige Verständigung mit Leidensgenossen war durch Klopfzeichen gegen die Zellenwände möglich. Sogar im Schlaf wurden die Häftlinge überwacht und bei kleinsten Verstößen, etwa einer Drehung auf der harten Holzpritsche, bestraft.

Nach diesem Bericht stellte sich Herr Sonnenburg den Fragen der Schüler. Fragen, die ihm unter die Haut gingen, wie er nachher bekannte. Es ist noch ungewohnt für ihn, darüber zu reden. Jahrzehnte hatte er alles verdrängt und nur durch Zufall während einer Berlinreise im letzen Jahr  die Stätte seines Leidens wiedererkannt. Seither will er nicht mehr schweigen, will erzählen. Auch mit der Möglichkeit der Begegnung mit einem ehemaligen Peiniger setzt er sich auseinander.

Nach der Entlassung aus der Haft war Herr Sonnenburgs Leiden aber nicht zu Ende. Er wurde einem Strafbattalion der Volksmarine zugeteilt und musste die Lebensgefährliche Arbeit des Legens und Räumens von Minen verrichten. Ein guter Freund kam bei der Arbeit ums Leben. Daraufhin wagte Herr Sonnenburg erneut die Flucht. Mit vier Sauerstoffflaschen verließ er auf dem Grund des Meeres den Minengürtel und gelangte schließlich mehr tot als lebendig in bundesdeutsche Gewässer. Die Flucht war geglückt.

Schüler überreichen einen Blumenstrauß Schülerinnen der Klasse 6WG11/1 überreichen Herrn Sonnenburg Blumen und eine Spende für die Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Nach anfänglichen Verdächtigungen fand er Arbeit als Tontechniker, tourte gar mit „Dire Straits“ durch die Welt.

Da alle seine Dokumente bis auf die Geburtsurkunde vom SED-Regime beseitigt wurden, kann er das erlittene Unrecht bis heute nicht nachweisen und erhält daher auch keine Entschädigung oder Opferrente.

Nachdem der Wissensdurst der Schüler gestillt war, übergaben diese sichtlich bewegt Herrn Sonnenburg eine Spende für die Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Auch die Schulleiterin der Carl-Theodor-Schule, Frau Oberstudiendirektorin Mayer, die dem Vortrag beigewohnt hatte, bedankte sich bei Herrn Sonnenburg für den persönlichen und sehr eindrücklichen Vortrag.

Die beteiligten Schüler und ihr Geschichtslehrer Herr Holzapfel möchten sich an dieser Stelle ganz herzlich bei Herrn Sonnenburg für die eindrücklichen Erzählungen bedanken.